Meritorische Güter sind laut klassischer Finanzwissenschaft Güter, die der Staat fördern und den Bürgern zugänglich machen sollte, da sie für das Gemeinwohl unabdingbar sind und von Privatleuten nach Marktlogik zu wenig nachgefragt würden — etwa Bildung, Gesundheitsvorsorge, Polizei oder Infrastruktur. Soweit die ursprüngliche, eng begrenzte Idee.
In den letzten Jahrzehnten hat jedoch eine starke Inflation dieses Konzepts stattgefunden. Schrittweise wurden immer mehr gesellschaftliche Ziele als „meritorisch" deklariert:
| Dekade | Neue „meritorische" Felder |
|---|---|
| 1970er | Umweltschutz, Verbraucherschutz |
| 1990er | Gleichstellung, Integration, Inklusion |
| 2010er | Klimaschutz, Digitalisierung, Diversität |
| 2020er | Gendergerechtigkeit, Dekolonialisierung, Lieferkettengesetz |
Jede dieser Wellen hat neue Ämter, Programme, Subventionen, Kontrollapparate und Beauftragte erzeugt — keine der alten Aufgaben wurde reduziert, sondern alles addiert. Der Katalog der angeblich „unverzichtbaren" Staatsaufgaben dehnte sich immer weiter aus.
Durch die Verwässerung des Meritorik-Prinzips ist ein Staat entstanden, der zwar immer neue Aufgaben übernimmt, aber dadurch gerade die eigentlichen Kernaufgaben nicht mehr erfüllt: viel Aktionismus, wenig Ergebnis, ständig wachsende Zuständigkeiten und ein allgemeiner Qualitätsabfall bei öffentlichen Leistungen.
Die Inflation meritorischer Güter hat eine Bürokratielawine, Subventionskaskaden und eine gefährliche Substanzverschiebung im öffentlichen Sektor bewirkt. Eigentlich unverzichtbare Leistungen wie Bildung, Infrastruktur und Sicherheit werden chronisch unterfinanziert — das untergräbt langfristig das Vertrauen der Bürger in den Staat.