Wer heute die Nullsummen-Matrix verlässt, landet schnell auf dem digitalen Scheiterhaufen. Es genügt, sich als vernunftbegabter Mensch gegen das Mantra „Wir müssen den Kuchen nur gerecht verteilen!" zu stellen — schon erfolgt der Bannspruch: „Rechter! Nazi! Egoist!" Doch diese Raster und Zuschreibungen sind nicht nur intellektuell schäbig, sondern zeugen von einer tiefsitzenden dogmatischen Blindheit.
Tatsächlich haben viele, die sich aus dem Nullsummenspieldogma gelöst haben, nichts mit den gefürchteten rechten Phantasmen zu tun. Sie sind vielmehr — im klassischen Sinn — Häretiker: Menschen, die der etablierten Ideologie eine rational, empirisch und evolutionsbiologisch besser belegte Alternative entgegenstellen.
Die Nullsummen-Gläubigen verteidigen ihr Weltbild mit Inbrunst. Sie halten Wohlstand für fix, glauben an ein geschlossenes System, in dem das Glück des einen notwendigerweise Leid des anderen ist. Jede wissenschaftliche Evidenz, die dem widerspricht — von Spieltheorie über Biologie bis Wirtschaftsgeschichte —, wird ignoriert oder mit Häme abgewehrt.
Geradezu religiös werden alle „Matrix-Exilanten" — also Menschen, die sich der Logik des Mangels und der moralischen Überbietungswettbewerbe entziehen — der politischen Rechten bis hin zum Nazi-Spektrum zugeordnet. Warum? Weil sie funktionale Grenzen einsetzen und die grenzenlose Umverteilungsrhetorik hinterfragen.
Ihre „Ketzerei" besteht darin, dem Glauben an Knappheit die Wissenschaft der Fülle entgegenzustellen. Ihr Sakrileg ist es, Evolution, Systemdenken, Kooperation, Emergenz und Resilienz als Antwort auf die Herausforderungen der Zeit zu leben.
Echte Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Weltbildern ist der Sauerstoff jeder lebendigen Demokratie. Wer heterodoxes Denken — und sei es noch so empirisch fundiert — reflexhaft als Nazi-Propaganda diffamiert, handelt wie ein mittelalterlicher Inquisitor. Mit Wissenschaft oder Humanismus hat das nichts mehr zu tun. Das Framing tut letztlich nur eins: Es betont die eigene moralische Überlegenheit durch Ausschluss von Andersdenkenden — und verhindert eine echte Debatte über Systemalternativen.
An alle, die sich als Bewahrer des Nullsummen-Dogmas verstehen: Spart euch die Nazi-Keule. Nennt sie bei ihrem wirklichen, zutreffenden Namen: Häretiker. Kritiker des Dogmas. Menschen, die den Mut haben, über den Tellerrand des vermeintlich „gerechten" Kuchenverteilens hinauszudenken.
Häretiker haben die Wissenschaft auf ihrer Seite. Wer Angst vor Häresie hat, fürchtet in Wahrheit nur eins: seine eigenen Denkgrenzen.